Presse zur “Düren-Revue”

Aachener Zeitung vom 23.03.2009

Lokales Dueren

Munteres Volk wiederbelebt

Lions Kulturtage: Heimatforschungs-Revue “Unter Dürenern” in Schloss Burgau mit Musik. Zehn Künstler. Großer Erfolg – mit Wermutstropfen.

Niederau. “Mie senn alle Mole Dürener Jonge, wer . . .” Ein Auftakt nach Maß der zehn Akteurinnen und Akteure in Schloss Burgau vor ausverkauftem Saal anlässlich der zehnten Lions Kulturtage.

Wir schreiben das Jahr 2809, und eine Gruppe von Archeo-Genetikern berichtet im “Kongresszentrum Voreifel” über sensationelle Ausgrabungen aus dem Jahr 2009. Die Wissenschaftler können am “Jupp-Vosen-Institut” in Horrem aus Menschenresten wieder Personen rekonstruieren. Die wiederhergestellten Menschen und steinerne Zeugen aus der Zeit vor 800 Jahren lassen vermuten, dass an diesem Standort zwischen Aachen und Köln ein munteres Völkchen gelebt haben muss.

Mit Düren verbandelt

Den zehn Künstlern – in irgendeiner Form mit Düren verbandelt – gelang es auf der Bühne, dieses muntere Völkchen in Wort, Bild und Musik auferstehen zu lassen: Reporterin Jule Schöning berichtete immer wieder, untermalt mit Musik, über Video von Orten der ehemaligen Papierstadt.

“Spiel mir das Lied vom Tod!” Das Bild: Düren nach dem 16. November 1944. Oder die Annakirche auf eine Rückriemstele zusammengeschrumpft. Aber auch Literaten bekommen ihr Fett weg: Michael Lentz unterhält sich mit einem Kumpel in einem unverständlichen Gemurmel, gespickt mit Urlauten.

“König von Düren”

Reporterin Schöning stellt den “König von Düren” vor: Landrat Wolfgang Spelthahn, der im Laufe der Jahre sein Lächeln verliert. Ein Wanderprediger taucht aus dem Publikum auf und prophezeit frei nach der Offenbarung des Johannes den nahenden Untergang. Er muss den Gang aller Propheten gehen: nach draußen, weg von der Bühne.

Die Rolle Dürens und seiner Bürger im 1. und 2. Weltkrieg macht zum Ärger weniger Zuschauer klar, dass auch in Düren Nazis gelebt haben. “Was hat das noch mit Düren zu tun”, entrüstete sich ein Mann nach der Vorstellung auf dem Weg zum Parkplatz . Historische Rückblicke mit harten Fakten können unangenehm sein . . .

Eine andere Erzählung über die dunklen Seiten Dürens im Mittelalter handelt von einem Grafen, der sich einem Kreuzzug anschließt, seine wollüstige Gattin zurücklässt, die dann – wie sollte es anders sein – einen Minnesänger zu Tode liebt. Dass sie selbst dabei umkommt, dient dem Gerechtigkeitsempfinden. Ob diese Erzählung aber pornografische Passagen haben musste, obwohl Kinder im Publikum waren, ist zumindest fraglich.

Die Revue war ein Mix von heiteren, witzigen, satirischen und komischen Momenten zum Nachdenken. Besonders zu erwähnen Diva La Kruttke, die mit ihrer variablen Stimme und ihrem urkomischen Talent in Mimik und Gestik die Zuschauer zu lang anhaltendem Beifall bewegte.

Moderator mit Charme und Witz war Uli Winters, vor 20 Jahren von Düren nach Berlin ausgewandert. Daneben traten auf: Jan Böhmermann, Michael Bölter, Klaus Fehling, Der Gebrüder Hartmann, Michael Hutter, Waldemar Kobus, Uschi Krosch, Klaus Zehe.

Fazit: “Unter Dürenern” war ein großer Erfolg – mit nur wenigen Wermutstropfen.

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